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Fuji X100S _ So.12.05.13

Lange Vorgeschichte

Über Jahre hinweg knipste ich gleichsam vergnügt wie unbedarft, zunächst mit einer Canon 350D, dann mit einer 550D rum. Als letztere dann deutliche "Spuren der Liebe" zeigte, quälte ich mich lange mit der Entscheidung bzgl. "what‘s next". Schon häufiger auch viel Lobpreisungen über die X100 wahrnehmend, bestellte ich mir u.a. eine solche "zur Ansicht" – kam mit ihr aber überhaupt nicht zurecht und gab sie unmittelbar zurück. Mir gelang mit der Kamera nicht ein scharfes Bild. Irgendwie fand ich das aber auch sehr sehr schade, hat mich die reine Idee und Ästhetik der Kamera doch durchaus begeistert.

Statt dessen wurde es bei mir – nach noch einigem Hin und Her – die Canon 6D (für eine 5D Mark III fehlte schlicht das Geld). Mit der neuen Kamera begann ich mich auch erstmals ernsthaft mit dem Thema Fotografie auseinander zu setzen. U.a. Jared Polin öffnete mir dabei die Augen wie wenig ich bislang eigentlich wusste und an guten Ergebnissen hinbekam. Ganz schön frustrierend.

Neben Polin wurden Adam Lerner, Kai Wong, Tony Northrup, Zack Arias und David Hobby Lehrmeister und Inspirationsquellen.

Theoretisch kapierte ich immer mehr, praktisch haute aber weiter nur wenig hin. In mir wurden Zweifel wach und laut, ob ich mir "richtig Fotografieren" überhaupt je zu Eigen machen würde können. Um besser zu werden fehlte mir Praxis, bedingt durch Zeit, vielleicht vor allem aber auch das Auge und mitunter kam ich mir affig vor, die dicke Kamera durch die Welt zu tragen. 

Auch musste ich feststellen, das ich am Ende doch vor allem meine Familie fotografierte und Punkt. Weniger bin ich extra irgendwo hin, um dort Fotos zu machen, als dass ich eben von da wo ich ohnehin war, gute Fotos haben wollte.

Inmitten dieser bitteren Phase begannen Lerner & Co fast unisono Lobpreisungen über die X100S in die Welt zu schleudern und z.T. sogar solche Punch-Lines zu formulieren wie "the DSLR is officially dead". Das weckte neu meine Neugier: Insgesamt und insbesondere für mich vielleicht doch die (bessere) Kamera?

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Die überarbeitete X100, nun mit einem zusätzlichen S versehen, packte ich zunächst fast so schnell wieder ein, wie zuvor aus. Die Menüs und Settings waren mir zu fremd und so gleich neuer Frust da – das Letzte, was ich brauchen konnte.

Doch dann widmete ich mich der Kamera doch nochmals und es hat "Zoom gemacht" (obwohl die Kamera ja gar keinen hat).

"The poor mans Leica" hat Einiges zu bieten: Schnikes Gehäuse, feine Bedienelemente, erstaunliche Bilder. Die Farben kommen gut, die Lowlight-Performance ist beachtlich und die Schärfe top. Der Fokus ist bei der "S" schnell und präzise, was man vom Vorgängermodell nicht behaupten konnte. Zwar kann die Verarbeitung und Haptik nicht wirklich mit einer Leica mithalten (da gäbe es aber auch weniger Schönes von der 6D zu erzählen), aber: immerhin.

Viel wichtiger als all das und für mich vielleicht das Killer-Feature der Kamera: Sie macht Spaß (vermutlich steht das S genau dafür). Klein und hübsch nimmt man sie gerne in die Hand und überall hin mit – die beste Voraussetzung, dass dann auch tatsächlich Bilder und auch gute entstehen.

Macht und machte mir meine 6D doch vor allem "Arbeit" – allein schon durch ihr Gewicht, aber auch durch ihre "Präsenz" – bereitet die X100S durchweg Vergnügen.

Innerhalb von einer Woche begleitete mich die Fuji zu Freunden (am Vatertag), auf den Rummelplatz (Stuttgarter Frühlingsfest), durch die City (Benztown) und in den Tierpark (Wilhelma). Dabei trug sie nie auf, zwang sie sich nie auf, sondern war sie einfach dabei und im richtigen Moment schnell griffbereit. In dieser Woche sind mehr Bilder von bleibendem Wert mit der Fuji entstanden, als in den Monaten zuvor mit der Canon…

Aber klar, die Fuji hat auch ihre Einschränkungen. Vor allem: Festbrennweite und kein Zoom. Im Zoo und beim Schlendern durch die Stadt hier und da durchaus ein Manko, obgleich man – wo es es geht – einfach selbst zum Zoom wird und sich schlicht mehr bewegt, sich aber auch andere Kompositionen ergeben. Die Brennweite ist was sie ist und gibt einem ein tolles Blickfeld, verzeichnet aber auch Menschen beim nahen Fotografieren ein wenig – nichts, was unmittelbar auffallen würde, aber ein Fakt.

Video ist auch nicht gerade das, wofür die Fuji wirklich gedacht und gemacht ist. Zwar nimmt sie sogar in Full-HD Clips auf, das Bild verwackelt aber leicht und der Ton ist ziemlich miserabel, die Möglichkeit zum Anschließen eines externen Mikrofons ist nicht gegeben. Von Moire fange ich lieber erst gar nicht an. Aber darauf bezogen ist die 6D auch ziemlich übel.

Insgesamt reicht die Fuji nicht wirklich an die Bild- und Fotagequalität der Canon heran, kommt der beim normalen und nicht Makel-suchenden Anschauen von Fotos aber doch erstaunlich nahe. Und das obwohl in der Canon ein Vollformat-Sensor, in der Fuji nur ein "Crop" verbaut ist.

Das Spieglein, Spieglein im Gehäuse wird nicht vermisst. Im Gegenteil, der Hybrid-Viewfinder der Fuji erleichtert mit seinen Darstellungsmöglichkeiten und Informationseinblendungen den Bildaufbau gewaltig. Dank Wasserwage im Blick gelingen so z.B. endlich durchweg "gerade" Fotos.

Und jetzt?

Eine teure Spiegelreflexkamera, gerade gekauft, unmittelbar wieder abzustoßen, kann ich mir kaum leisten.

Der Schritt hin zu wirklich nur noch einer Festbrennweite und das Aufgeben aller – theoretischer – flexibler Möglichkeiten, scheint wie das Betreten einer wackeligen Brücke, die über einem tiefen Abgrund baumelt und lässt zusätzlich zögern.

Und dennoch: Die X100S hat mich, hatte sie mich auch nicht gleich beim ersten Hallo.

Geld wie Falten nenne ich leider nicht mein Eigen, kann mir so nicht einfach mehrere Kameras leisten... Folglich werde ich die Fuji zunächst zurück geben, aber doch auch die 6D inserieren und womöglich verkaufen, sollte jemand einen vernünftigen Preis dafür zahlen, um dann zur Fuji zu greifen.

Die beste Kamera ist nicht die, die man gerade bei sich trägt, sondern vor allem die, die man gerne bei sich hat und zu der man dann auch tatsächlich und gerne greift.

Bildergalerie: click .

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